Die Bedeutung von Internet-basierten Plattformen in Deutschland

Internet-basierte Plattformen wie Google Search, Facebook, Amazon Marketplace, Uber oder AirBnB sind enorm erfolgreich. Das führt zu gesteigerter Aufmerksamkeit durch die Politik sowie durch die Wettbewerbsbehörden. Überraschenderweise werden die öffentlichen Debatten zu diesem Thema trotz seiner offensichtlichen Relevanz mit vergleichsweise geringer sachlicher Fundierung geführt.

Die Studie „Internet-basierte Plattformen und ihre Bedeutung in Deutschland" des WIK ist die erste Studie, die die wirtschaftliche Bedeutung von Internet-basierten Plattformen näher bestimmt. Ebenso wird in der Studie eine neuer Ansatz entwickelt, um Internet-basierte Plattformen wie Google, Amazon, Facebook, Uber oder AirBnB konsistent analysieren zu können.

Das erste überraschende Ergebnis der Studie: Die Dominanz der internationalen und insbesondere US-amerikanischen Plattformen ist gemessen an der Anzahl der relevanten Plattformen gar nicht so stark wie gewöhnlich unterstellt. Von den analysierten Top65 Internet-basierten Plattformen haben 32 ihren Sitz in Deutschland, 19 in den USA und 14 im Rest der Welt.

Die deutschen Plattformen konzentrieren sich jedoch stark auf den deutschen Markt. Im Schnitt machen sie etwa 74% ihres Umsatzes in Deutschland. Für die US-amerikanischen, zumeist global aufgestellten Unternehmen ist der deutsche Markt logischerweise von deutlich geringerer Bedeutung. Er macht bei diesen Plattformen im Schnitt etwa 6% des Gesamtumsatzes aus.

Insgesamt setzen die Top65 Internet-basierten Plattformen auf Basis unserer Recherchen und Schätzungen 33,2 Mrd. Euro in Deutschland um. Das entspricht etwas über 10% des geschätzten weltweiten Umsatzes der selben Plattformen von 320 Mrd. Euro. Im Vergleich zu den Gesamtumsätzen anderer Sektoren in Deutschland scheint diese Zahl auf den ersten Blick relativ gering zu sein.

Ein zweiter Blick macht die tatsächliche Bedeutung von Internet-basierten Plattformen in Deutschland deutlicher. Denn anders als bei anderen Geschäftsmodellen müssen auch die Effekte auf den zumindest zwei Marktseiten bedacht werden, um ein vollständiges Bild des wirtschaftlichen Einflusses von Plattformen zu erhalten. Deshalb diskutiert die Studie des WIK auch ausführlich die Spillover-Effekte von Google und Co.

Neben der Schätzung zur wirtschaftlichen Bedeutung von Internet-basierten Plattformen in Deutschland hat das WIK auch einen neuen Ansatz entwickelt, um diese konsistent zu identifizieren, zu beschreiben und zu analysieren: das WIK Data Revenue Attention Model (DRAM).

Das DRAM stellt einen komplementären Ansatz zu etablierten wettbewerblichen Methoden wie dem SSNIP-Test dar. Dabei nimmt das DRAM die Perspektive von Internet-basierten Plattformen ein und umfasst sowohl deren endogene als auch exogene Effekte. Die endogenen Effekte werden funktional anhand von Nutzerrollen, Daten-, Umsatz- und Aufmerksamkeitsströmen sowie dem geschaffenen Mehrwert definiert. Die exogenen Effekte teilen sich in Enabler- und Spill-over-Effekte, die jeweils auf technischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene angesiedelt sind.

Das DRAM ist damit deutlich intuitiver als Herangehensweisen, die auf traditionellen Ansätzen, die nicht für Plattformen entwickelt wurden, aufsetzen. Es ermöglicht eine strukturierte und konsistente Identifikation und Beschreibung von Plattformen. Das WIK plant, das DRAM in den kommenden Monaten weiterzuentwickeln und quantifizierbar zu machen.

Der vollständige Bericht steht zum Download zur Verfügung.

Dr. René Arnold
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